Archiv für den Autor: Juliane Hummel


Das Buch zum Blog


Titel

Jens-Christian Wagner (Hg.):
70 Tage Gewalt, Mord, Befreiung. Das Kriegsende 1945 in Niedersachsen
Wallstein Verlag Göttingen, 2016

Das Buch beinhaltet die leicht überarbeiteten Beiträge des Blogs, der anlässlich des 70. Jahrestages des Kriegsendes 2015 ins Netz gestellt wurde. Ergänzend sind weitere Ereignisse aufgenommen.

> Verlagsankündigung
> Flyer (pdf)

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Dann wenden Sie sich bitte an:
Jens Binner
Stiftung niedersächsische Gedenkstätten
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
jens.binner@stiftung-ng.de


Kurt Schumacher hält in Hannover seine erste Rede nach zwölf Jahren NS-Diktatur


Besprechung am 31. März 1946 im „Büro Dr. Schumacher". Von li. nach re.: Egon Franke, Kurt Schumacher, Erich Ollenhauer, Alfred Nau und Fritz Heine. Im Parterre der Jakobstraße 10 in Hannover-Linden war 1945/46 die inoffizielle Parteizentrale der SPD in den Westzonen untergebracht (Archiv der Friedrich-Ebert-Stiftung)
Besprechung am 31. März 1946 im „Büro Dr. Schumacher". Von li. nach re.: Egon Franke, Kurt Schumacher, Erich Ollenhauer, Alfred Nau und Fritz Heine. Im Parterre der Jakobstraße 10 in Hannover-Linden war 1945/46 die inoffizielle Parteizentrale der SPD in den Westzonen untergebracht (Archiv der Friedrich-Ebert-Stiftung)

Zwei Tage vor der deutschen Kapitulation am 8. Mai 1945 hält Kurt Schumacher seine erste Rede nach zwölf Jahren nationalsozialistischer Diktatur. Etwa 130 Sozialdemokraten sind im Sitzungssaal des Polizeipräsidiums zur Gründungsversammlung des Ortsvereins der SPD in Hannover zusammengekommen – zu einem Zeitpunkt, als die Bildung politischer Parteien von der britischen Besatzungsmacht noch verboten war.

Schumacher hatte sein Grundsatzreferat mit dem Titel „Wir verzweifeln nicht“ in den Wochen seit der Besetzung der Stadt durch das britische Militär ausgearbeitet. Er erhob darin unter anderem den Anspruch einer tragenden Rolle der Sozialdemokratie beim Neubau eines deutschen Staates und der Gesellschaft. Mit seiner Rede setzte sich der 49jährige ehemalige Reichstagsabgeordnete unangefochten an die Spitze des Ortsvereins Hannover. Ein Jahr später wurde er zum ersten Parteivorsitzenden der Nachkriegs-SPD gewählt und gestaltete deren Aufbau und Politik bis zu seinem Tod 1952 entscheidend mit.

Schumacher trat schon vor der Machtübernahme der NSDAP als deren entschiedener Gegner hervor. Im Sommer 1933 – kurz nach dem Verbot der SPD – wurde er in Haft gesetzt. Die Jahre der Diktatur verbrachte er mit kurzen Unterbrechungen in verschiedenen Konzentrationslagern und Gefängnissen.

Literatur:
Albrecht Kaden: Einheit oder Freiheit: Die Wiedergründung der SPD 1945/46, Berlin 1980

Günther Scholz: Kurt Schumacher, Düsseldorf 1988

Website:
Archiv der Friedrich-Ebert-Stiftung >> http://www.fes.de/archiv/adsd_neu/inhalt/nachlass/nachlass_s/schumacher-ku.htm


Rudi Goguel überlebt die Tragödie in der Lübecker Bucht


Die brennende „Cap Arcona“, 3. Mai 1945 (Archiv der Gedenkstätte Neuengamme)
Die brennende „Cap Arcona“, 3. Mai 1945 (Archiv der Gedenkstätte Neuengamme)

Einen Tag vor der Kapitulation aller deutschen Truppen im Raum Nordwestdeutschland, Niederlande und Dänemark dümpeln in der Lübecker Bucht die Frachter „Thielbek“ und „Athen“ sowie das Passagierschiff „Cap Arcona“. An Bord befinden sich mehr als 9.000 KZ-Häftlinge aus dem wenige Tage zuvor geräumten KZ Neuengamme.

Am frühen Nachmittag an diesem 3. Mai nehmen britische Bomber zuerst die „Cap Arcona“ und eine Stunde später die „Thielbek“ unter Beschuss. Die „Cap Arcona“ steht im Handumdrehen vom Bug bis zum Heck in Flammen. Die „Thielbek“ sinkt innerhalb von 20 Minuten.

Die Häftlinge haben kaum eine Möglichkeit, sich zu retten. Über 7.000 von ihnen sterben.

Einer der wenigen Überlebenden ist der 36jährige Elsässer Rudi Goguel. Der Komponist des „Moorsoldatenlieds“ war bereits 1933 wegen seines politischen Engagements als KPD-Funktionär in das KZ Börgermoor im Emsland verschleppt worden. Ein Gericht verurteilte ihn 1934 zu zehn Jahren Zuchthaus, die er in Remscheid-Lüttringhausen, Wolfenbüttel, Celle und Hameln verbüßte. Nach seiner Entlassung 1944 wurde er umgehend in „Schutzhaft“ genommen und über das KZ Sachsenhausen in das KZ Neuengamme verbracht.

Literatur:
Rudi Goguel: Cap Arcona: Report über den Untergang der Häftlingsflotte in der Lübecker Bucht am 3. Mai 1945, Frankfurt/Main 1972

Wilhelm Lange: Cap Arcona. Das tragische Ende der KZ-Häftlings-Flotte am 3. Mai 1945, Neustadt in Holstein 1988

Fietje Ausländer, Susanne Brandt, Guido Fackler: Das Lied der Moorsoldaten 1933 bis 2000. Bearbeitungen – Nutzungen – Nachwirkungen. Hg. vom Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Emslandlager (Papenburg) in Kooperation mit der Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv, Papenburg 2002

Weblinks:
KZ Gedenkstätte Neuengamme >> www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de,
>> http://www.offenes-archiv.de/de/themenfokus-cap-arcona.xml

Politische Häftlinge im Zuchthaus Hameln >> http://www.gelderblom-hameln.de/zuchthaus/nszeit/zuchthaus/goguel.html

Das Moorsoldatenlied:
>> Hannes Wader
>> Die Toten Hosen


The line of coffins – Exhumierung in Wolterdingen


Der britische Armeefotograf Sergeant D.M. Smith nahm dieses Foto am 28. April 1945 bei der Exhumierungen von 269 KZ-Häftlingen bei Wolterdingen auf. Er gab ihm den Titel „The line of coffins“ (Imperial War Museum London)
Der britische Armeefotograf Sergeant D.M. Smith nahm dieses Foto am 28. April 1945 bei der Exhumierungen von 269 KZ-Häftlingen bei Wolterdingen auf. Er gab ihm den Titel „The line of coffins“ (Imperial War Museum London)

Auf Anordnung der britischen Militärregierung werden am 28. April 1945 in einem kleinen Wald bei Wolterdingen nördlich von Soltau in der Nähe eines verlassenen Zuges drei Massengräber exhumiert.

269 Tote werden gefunden – Häftlinge eines Räumungstransports aus dem KZ Neuengamme. Sie waren wenige Tage zuvor von ihren Bewachern ermordet worden. Der bei der Exhumierung anwesende britische Kriegskorrespondent schreibt: „Als die SS-Wachen merkten, dass britische Truppen nicht mehr weit entfernt waren, befahlen sie den Häftlingen, die Waggons zu verlassen, führten sie zu einem nahegelegenen Wald, ließen sie Gruben ausheben, töteten sie und verschwanden.“

Die Briten ziehen zu den Umbettungen deutsche Zivilisten heran. Alle führenden Persönlichkeiten der Region werden gezwungen, an den offenen Gruben vorbeizugehen. Anschließend müssen deutsche Frauen und Jugendliche die Särge zum Gemeindefriedhof in Wolterdingen tragen. Dort werden die Toten mit einer feierlichen Zeremonie bestattet.

Bis heute sind die Namen der meisten der Toten nicht bekannt.

Weblink:
KZ-Züge auf der Heidebahn. Depesche aus Wolterdingen >> http://www.kz-zuege.de/kapitel_09.htm


Festnahme des Elektrolehrlings F. in Soltau


Standbild aus dem Film „Soltau Woods Mass Grave 1945“, British Pathé. Im Sommer 1945 wurden die Leichen der am 11.4.1945 in Soltau ermordeten KZ-Häftlinge exhumiert. Sie waren nur flüchtig in Massengräbern verscharrt gewesen (http://www.britishpathe.com/video/soltau-woods-mass-grave/query/Soltau)
Standbild aus dem Film „Soltau Woods Mass Grave 1945“, British Pathé. Im Sommer 1945 wurden die Leichen der am 11.4.1945 in Soltau ermordeten KZ-Häftlinge exhumiert. Sie waren nur flüchtig in Massengräbern verscharrt gewesen (http://www.britishpathe.com/video/soltau-woods-mass-grave/query/Soltau)

Am 26. April 1945 nehmen in Soltau die britischen Besatzungsbehörden den 17jährigen Elektrolehrling F. in Haft. Er wird verdächtigt, am 11. April zusammen mit dem 49jährigen Arbeiter K. und dem 19jährigen Schuhmacher S. einen KZ-Häftling ermordet zu haben. An diesem Tag geriet bei Soltau ein Räumungstransport aus dem KZ Neuengamme in einen Bombenangriff. Viele der Häftlinge flüchteten. Es folgte unter Beteiligung der örtlichen Bevölkerung eine tödliche Hetzjagd auf sie.

Drei Jahre später fand der Prozeß gegen F., K. und S. vor dem Landgericht Lüneburg statt. Aus dem festgestellten Sachverhalt: „Zusammen mit S. und F. ging K. um den Häftling herum, und zielte etwa aus 15 Meter Entfernung auf ihn. Noch 2 Mal setzte er ab, weil er mit inneren Hemmungen zu kämpfen hatte, und erschoss dann den Häftling, der sofort lautlos zusammensank. F. und S. standen während dieses Vorgangs etwa 3 bis 4 Schritte links hinter K. Da der Häftling noch mit den Beinen zuckte, trat F. an ihn heran und gab mit seiner Pistole einen Schuss auf ihn ab, der ihn in den Hinterkopf traf, wie er sagte, damit der Mann auch wirklich tot sei.“

F. und S. wurden in der Revisionsverhandlung freigesprochen, K. zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Identität des ermordeten Häftlings ist nicht bekannt.

Insgesamt wurden im April 1945 mindestens 89 KZ-Häftlinge bei Soltau ermordet.

Literatur:
Justiz und NS-Verbrechen. Sammlung deutscher Strafurteile wegen nationalsozialistischer Tötungsverbrechen 1945-1966, Bd. II, Amsterdam 1969, S. 375-382

Film:
Soltau Woods Mass Grave 1945 >> http://www.britishpathe.com/video/soltau-woods-mass-grave

Weblinks:
KZ-Züge auf der Heidebahn. Das Ende in Soltau >> http://www.kz-zuege.de/kapitel_11.htm


Luftangriff auf Wangerooge


Britischer Lancester-Bomber während der Bombardierung der Insel Wangerooge, 25. April 1945 (The National Archives Kew, AIR 14/3647)
Britischer Lancester-Bomber während der Bombardierung der Insel Wangerooge, 25. April 1945 (The National Archives Kew, AIR 14/3647)

Im Hauptquartier der kanadischen Truppen bei Meppen fällt am 24. April die Entscheidung, die „Festung“ Wangerooge zu bombardieren.

Am folgenden Tag starten in Südengland gegen 14:30 Uhr über 480 kanadische, britische und französische Bomber und legen die Insel in nur 15 Minuten weitgehend in Schutt und Asche. Insgesamt sterben durch den Großangriff fast 300 Personen: Soldaten, Insulaner und in großer Zahl auch ausländische Zwangsarbeiter, die unter anderem bei der Wehrmacht eingesetzt waren.

Auch unter den Alliierten befinden sich Opfer. So gerät einer der kanadischen Flieger in Luftnot und muß per Fallschirm auf der Insel landen. Er wird von vier deutschen Marineangehörigen aufgegriffen. Einer von ihnen hatte bei einem Luftangriff auf Hamburg seine gesamte Familie verloren. Vermutlich aus Rache erschießt er den Kanadier ohne lange zu zögern. Anschließend wird der Tote, den Kopf an einer Kette hängend, mit einem Pferd vom Tatort fortgeschleift und auf einer Wiese verscharrt. Sicherlich nicht ohne Absicht taucht in einer später angefertigten Gräberliste das Grab mit dem Vermerk auf: „1 Ausländer, erschossen (Plünderer).“

Literatur:
Hans-Jürgen Jürgens: Zeugnisse aus einer unheilvollen Zeit, 4. Aufl. Jever 1991


Totenzug


Abel Herzberg auf dem Museumplein in Amsterdam, 14. Mai 1948. (dbnl – digitale bibliotheekvoor de Nederlandseletteren)
Abel Herzberg auf dem Museumplein in Amsterdam, 14. Mai 1948. (dbnl – digitale bibliotheekvoor de Nederlandseletteren)

Am 21. April 1945 befindet sich der niederländische KZ-Häftling Abel J. Herzberg auf einem Räumungstransport aus dem KZ Bergen-Belsen. Es ist der elfte Tag der Fahrt, nachdem der Zug mit Ziel Theresienstadt am 10. April mit etwa 2.500 „Austauschjuden“ in Bergen-Belsen gestartet war. Die Fahrt gerät zur Irrfahrt durch einen immer enger werdenden, noch nicht von Alliierten besetzten deutschen Korridor. Aufgrund von Bombenangriffen, der zerstörten Infrastruktur und dem Herannahen der Fronten ist nur ein langsames Fortkommen möglich.

Herzberg notiert in seinem Tagebuch:
„21. April 1945. (…) Wir haben eine amerikanische Zeitung vom 17. April in die Hände bekommen. Was für eine Erleichterung, denn wir wußten ja nichts Sicheres. Wir stehen nun irgendwo bei Dresden. Es kann der letzte Fleck sein und daher noch eine ganze Weile dauern. Gott sei uns gnädig. – Das Leben wird mühsam. Sitzend auf der Bank zu schlafen wird immer mehr zur Quälerei. (…)
Holland wird noch später frei sein als wir. Aber am 1. Mai wird wohl alles vorüber sein. (…)
Viele Todesfälle. S. ist an Auszehrung gestorben, und so geht es weiter. Totenzug.“

Zwei Tage nach diesem Tagebucheintrag werden die Häftlinge in der Nähe von Tröbitz von der Roten Armee befreit. Über 450 Häftlinge sterben während des Transports oder kurz danach.

Literatur:
Abel J. Herzberg: Zweistromland. Tagebuch aus Bergen-Belsen. Erstmals erschienen unter dem Titel „Tweestromenland“, Amsterdam 1950.

Weblink:
Biografische Informationen zu Abel Herzberg: Digitale Bibliotheek voor de Nederlandse Letteren >> http://www.dbnl.org/auteurs/auteur.php?id=herz001


BBC News: Richard Dimbleby Describes Belsen


Website mit Audioplayer des Online-Archives der BBC (www.bbc.co.uk/archive/holocaust/5115.shtml
Website mit Audioplayer des Online-Archives der BBC (www.bbc.co.uk/archive/holocaust/5115.shtml)

Am 19. April 1945 überträgt die BBC einen knapp 12 Minuten langen Radiobericht des britischen Kriegsreporters und Journalisten Richard Dimbleby über das befreite Konzentrationslager Bergen-Belsen. Millionen Menschen auf der ganzen Welt hören zum ersten Mal Details über die dort herrschenden entsetzlichen Zustände.

Dimbleby hatte am 15. April, am Tag der Befreiung, das KZ zusammen mit den britischen Truppen erreicht. Noch am selben Tag zeichnete er seine ersten Impressionen für das Radio auf. Aufgrund des Gesehenen brach er dabei mehrmals zusammen. Seinen Bericht schickte er noch am selben Tag zur Ausstrahlung nach London.

Aber die BBC weigerte sich, seinen Report zu senden. In London glaubte man nicht, dass die Szenen, die er beschrieb, wahr sein sollten. Dimbleby drohte mit Kündigung. Schließlich wurde seine Aufzeichnung vier Tage später übertragen.

Richard Dimbleby Describes Belsen >> www.bbc.co.uk/archive/holocaust/5115.shtml


Mehr im Online-Archiv der BBC über die Befreiung des KZ Bergen-Belsen:
Audio slideshow: Liberation of Belsen >> http://news.bbc.co.uk/2/hi/in_depth/4445811.stm


Die letzte „Judendeportation“ aus dem nordwestdeutschen Raum


Deportationsliste VI/11 Wesermünde (Kopie des United States Holocaust Memorial Museum RG-68.103, Reel 6 aus Yad Vashem Archives, Bestand O.64/349)
Deportationsliste VI/11 Wesermünde (Kopie des United States Holocaust Memorial Museum RG-68.103, Reel 6 aus Yad Vashem Archives, Bestand O.64/349)

Ende März / Anfang April 1945 (das genaue Datum ist nicht bekannt) verlässt ein Zug mit neun Personen aus Wesermünde, Osterholz-Scharmbeck und Steinbeck-Luhe den nordwestdeutschen Raum. Es handelt sich um den Deportationstransport VI/11, mit dem Wilhelm Aron, Johanne Junge, Dora Köhler, Friederike Lahmann, Anna Lange, Rolf Meibergen, Friedrich Rotter, Alfons Tallert und Artur Wohl nach Theresienstadt deportiert werden. Sie sind jüdische „Mischehepartner“ und waren nach Auflösung der Ehe oder nach dem Tod des „arischen“ Ehepartners schutzlos geworden. Am 19. Januar 1945 hatte das Reichssicherheitshauptamt die Deportation auch dieser Personen angeordnet.

Die Gruppe erreicht am 4. April Theresienstadt. Es ist die letzte „Judendeportation“ aus dem nordwestdeutschen Raum, die dort eintrifft. In den Wochen vor der Befreiung Theresienstadts kommen dort jedoch noch über 15.000 Häftlinge an, die bei der Auflösung und Räumung der Konzentrationslager in Marsch gesetzt wurden.

Alle neun jüdischen Deportierten aus Wesermünde wurden am 8. Mai 1945 in Theresienstadt durch die Rote Armee befreit.

Literatur:
Alfred Gottwaldt, Diana Schulle: Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941-1945, Wiesbaden 2005

Informationen im Internet:
Statistik und Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich >> http://www.statistik-des-holocaust.de

Yad Vashem – The Holocaust Martyrs‘ and Heroes‘ Remembrance Authority >> www.yadvashem.org


Das Ende einer Baustelle


Die Ruine des U-Boot-Bunkers „Valentin“ bei Bremen-Farge, 2013. (Landesamt für Denkmalpflege Bremen)
Die Ruine des U-Boot-Bunkers „Valentin“ bei Bremen-Farge, 2013. (Landesamt für Denkmalpflege Bremen)

Bei der „Führerlage“ am 30. März 1945 muss Großadmiral Karl Dönitz dem Führer Adolf Hitler melden, dass zwei schwere Sprengbomben die bis zu sieben Meter dicke Betondecke des Bunkers „Valentin“ durchschlagen haben. Bereits drei Tage zuvor verursachte ein Verband von achtzehn Lancaster-Bombern der Royal Air Force schwere Schäden an der kurz vor Fertigstellung stehenden U-Boot-Bunker-Werft in Farge bei Bremen. Das bedeutet das Ende des größten Rüstungsbauprojekts der deutschen Kriegsmarine an der Unterweser. Dennoch werden noch bis 6. April weiterhin Zwangsarbeiter auf die Baustelle gebracht und die Arbeiten erst am 7. April eingestellt.

Von 1943 bis 1945 wurden zum Bau der monströsen U-Boot-Bunker-Werft Tausende von Zwangsarbeitern aus ganz Europa eingesetzt: Zivile Zwangsarbeiter ebenso wie Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge. Mehr als 1.100 von ihnen starben während der Bauarbeiten an Unterernährung, Krankheiten und willkürlichen Tötungen. Die Werft ging nie in Betrieb.

Literatur:
Marc Buggeln: Bunker„Valentin“. Marinerüstung, Zwangsarbeit und Erinnerung, Bremen 2010.

Website:
www.denkort-bunker-valentin.de