Kategorie-Archiv: 1. März 1945


Massensterben im KZ-Außenlager Ellrich-Juliushütte


KZ-Außenlager Ellrich-Juliushütte. Blick von einem Unterkunftsblock auf das Krematorium, undatiert (vermutlich nach der Befreiung). (KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora)
KZ-Außenlager Ellrich-Juliushütte. Blick von einem Unterkunftsblock auf das Krematorium, undatiert (vermutlich nach der Befreiung). (KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora)

Letztmalig werden an diesem Tag Häftlingsleichen zur Einäscherung aus dem KZ-Außenlager Ellrich-Juliushütte in das Krematorium im Hauptlager Dora bei Nordhausen gebracht. Am Folgetag nimmt das eigene Krematorium in Ellrich-Juliushütte den Betrieb auf.

Laut „Veränderungsmeldung“ der SS werden am 1. März 28 Häftlingsleichen zur Einäscherung nach Dora überführt. Der jüngste Tote, der Pole Petro Schworuk, ist laut Liste 19 Jahre alt geworden, der älteste, der Franzose Henri Hemery, 55 Jahre. Beide waren als politische Gefangene ins KZ verschleppt worden.

In Ellrich-Juliushütte im Südharz herrschten im Frühjahr 1945 katastrophale Verhältnisse. Innerhalb von vier Wochen starben im März 1945 1000 von 6500 Lagerinsassen, also fast jeder sechste. Ihre Asche ließ die SS am Hang hinter dem Krematorium abkippen. 1964 sprengte der Bundesgrenzschutz das vor dem Grenzstreifen zur DDR liegende Krematorium und planierte das Gelände mit Bulldozern. Später wurde das Areal zum Naturschutzgebiet erklärt.

Literatur:
Jens-Christian Wagner, Ellrich 1944/45. Konzentrationslager und Zwangsarbeit in einer deutschen Kleinstadt, Göttingen 2009.

Link: www.dora.de


Hildesheim. Einrichtung eines KZ-Außenlagers in der Innenstadt


Eine gotische Kirche als KZ-Außenlager: die zur Stadthalle umgebaute ehemalige Kirche St. Pauli in Hildesheim (StA Hildesheim, Best. 952, 91/1)
Eine gotische Kirche als KZ-Außenlager: die zur Stadthalle umgebaute ehemalige Kirche St. Pauli in Hildesheim (StA Hildesheim, Best. 952, 91/1)

Am 1. März 1945 wies der Hildesheimer Oberbürgermeister dem Reichsbahnbetriebsamt Hildesheim die beiden Säle im 1. Stock der Hildesheimer Stadthalle – einer umgebauten ehemaligen Kirche – zur Unterbringung von 500 KZ-Häftlingen zu. So entstand ein Außenlager des KZs Neuengamme mitten in der Altstadt von Hildesheim. Die jüdischen Häftlinge – in der Mehrheit Ungarn – waren die Überlebenden eines Evakuierungstransports aus dem KZ Groß-Rosen, die über Bergen-Belsen nach Hildesheim gekommen waren, wo sie völlig entkräftet und halb verhungert eintrafen. Hier wurden sie bei Aufräumungsarbeiten auf dem durch einen alliierten Luftangriff am 22. Februar zerstörten Güterbahnhof eingesetzt.

Bei den Märschen von der Stadthalle zu ihrem Einsatzort und bei der Arbeit wurden sie von einem Zug des Hildesheimer Volkssturms unter dem Kommando des Zugführers Albert Rosin bewacht. Angefeuert durch den NSDAP-Kreisleiter Meyer forderte Rosin seine Leute zu rücksichtsloser Gewalt gegen die Häftlinge auf. Er selbst erschoss eigenhändig einen jungen ungarischen Juden, der eine halb verbrannte Konservendose an sich genommen hatte. Dafür wurde er 1951 wegen Totschlags zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt.

Literatur:
Markus Roloff: Zwangsarbeit in Hildesheim. Der Arbeitseinsatz für die Rüstungswirtschaft des Dritten Reiches, in: Hildesheimer Jahrbuch 70/71 (1998/99), S. 163-189