Kategorie-Archiv: 14. März 1945


Jagd auf „Plünderer“: Ermordung zweier französischer Zwangsarbeiter durch den Gestapobeamten Robert Müller


Der durch alliierte Bomben zerstörte Hildesheimer Güterbahnhof (HiJb 1998/99, S. 183)
Der durch alliierte Bomben zerstörte Hildesheimer Güterbahnhof (Hildesheimer Jahrbuch 1998/99, S. 183)

Nach einem alliierten Luftangriff am 14. März spielte sich auf dem zerbombten Bahngelände in Hildesheim eine wahre Jagdszene ab. Der Gestapobeamte Robert Müller hatte sich auf seinem Nachhauseweg von der Brücke über den Güterbahnhof die Verwüstungen auf dem Bahngelände angesehen. Dabei wurde er darauf aufmerksam gemacht, dass zwei Männer einen Waggon geöffnet hatten und darin verschwunden waren. Als sie nach kurzer Zeit mit Paketen unter dem Arm wieder auftauchten, machte sich Müller an die Verfolgung – von den Gaffern auf der Brücke durch Zurufe tatkräftig unterstützt. Als er die Fliehenden schließlich gestellt hatte, erschoss er sie an Ort und Stelle. Bei den Opfern handelte es sich um zwei französische Zwangsarbeiter.

Von seinen Vorgesetzten wurde Müller für diese Tat ausdrücklich belobigt. Obwohl er bei seinen Vernehmungen nach dem Krieg den Sachverhalt offen zugab, wurde er deswegen nie angeklagt.

Literatur:
Markus Roloff: Zwangsarbeit in Hildesheim. Der Arbeitseinsatz für die Rüstungswirtschaft des Dritten Reiches, in: Hildesheimer Jahrbuch 70/71 (1998/99), S. 163-189

Hans-Dieter Schmid: Hildesheim in der Zeit des Nationalsozialismus. Hildesheim 2015 (im Erscheinen)