Kategorie-Archiv: 16. April 1945


Befreiung der Kriegsgefangenen im Stalag XI B Fallingbostel


„16. April 1945 – Die Minuten vergehen furchtbar langsam, man hört Gerassel in der Nähe. Die Gefangenen klettern auf das Dach der Baracke. Genau 10.30 Uhr - Jetzt ist es soweit: man kann die Panzer sehen!“ (Foto und Kommentar: Vittorio Vialli. Fondo Vittorio Vialli - Archivio Istituto Storico Parri Emilia Romagna, Bologna)
„16. April 1945 – Die Minuten vergehen furchtbar langsam, man hört Gerassel in der Nähe. Die Gefangenen klettern auf das Dach der Baracke. Genau 10.30 Uhr - Jetzt ist es soweit: man kann die Panzer sehen!“ (Foto und Kommentar: Vittorio Vialli. Fondo Vittorio Vialli - Archivio Istituto Storico Parri Emilia Romagna, Bologna)

Nachdem in den letzten Wochen Räumungstransporte aus Lagern im Osten und Westen eingetroffen sind, ist das Kriegsgefangenenlager XI B Fallingbostel völlig überfüllt. Ein Großteil der Bewachung ist vor einigen Tagen abgerückt, nur ein Restkommando ist zurückgeblieben. Am Morgen hören die Gefangenen erstmals Waffenlärm deutscher und britischer Einheiten am Ortsrand von Fallingbostel. Bald ziehen sich die Deutschen zurück. Die Kriegsgefangenen werden kampflos befreit.

Der italienische Offizier Vittorio Vialli hat einen Fotoapparat mit ins Lager geschmuggelt und macht mehrere Aufnahmen vom Geschehen, das er wie folgt beschreibt: „Das Lager ist in Aufruhr, die Gefangenen drängen sich alle entlang des Stacheldrahtzaunes und warten auf den großen Augenblick. […] Die Minuten vergehen furchtbar langsam, man hört Detonationen in der Nähe. Die Gefangenen klettern auf das Dach der Baracke. Genau 10:30 Uhr. Jetzt ist es so weit, man kann die Panzer sehen! […] Schnell kommt der zweite Panzer, dann noch einer, und noch weitere. […] Der Panzerführer übermittelt seinem Kommandanten die Nachricht von der Befreiung der Gefangenen.“

Literatur:
Vittorio Vialli: Ho scelto la prigionia. La resistenza dei soldati italiani nei Lager nazisti 1943-1945, Rom 1983


Luftangriff auf einen Häftlingszug aus dem KZ Bergen-Belsen


Die Seiten 132 und 136 aus dem Notizheft von Ferdinand Szende. Hierin hielt er die Namen der Toten fest, die während des Räumungstransports aus dem KZ Bergen-Belsen bei Zernitz ums Leben kamen. (Jewish Historical Museum in Belgrade, Serbia, Bestand 298, Signatur K26-2-2/2)
Die Seiten 132 und 136 aus dem Notizheft von Ferdinand Szende. Hierin hielt er die Namen der Toten fest, die während des Räumungstransports aus dem KZ Bergen-Belsen bei Zernitz ums Leben kamen. (Jewish Historical Museum in Belgrade, Serbia, Bestand 298, Signatur K26-2-2/2)

Am frühen Nachmittag dieses Tages gerät ein Zug mit jüdischen, zumeist ungarischen Geiselhäftlingen aus dem KZ Bergen-Belsen bei Zernitz, etwa 40 Kilometer östlich von Magdeburg, in einen Luftangriff alliierter Tiefflieger. Vermutlich halten die Piloten den Zug für einen Militärtransport. Mehr als 50 Menschen sterben und zahlreiche weitere werden verletzt. Die Einwohner von Zernitz versorgen die Verletzten notdürftig, bevor die Fahrt fortgesetzt wird. Die Toten werden in einem Massengrab beigesetzt. Der ungarische Arzt Dr. Ferdinand Szende, der sich auch in dem Transport befindet, dokumentiert in einem kleinen Notizheft die Namen der Toten.

Wenige Tage zuvor räumte die SS das Austauschlager des KZ Bergen-Belsen. Etwa 6 700 Häftlinge sollten mit drei Bahntransporten in das Ghetto Theresienstadt verlegt werden. Nur dieser Zug erreicht schließlich am 20. April 1945 den Zielort mit 1 706 Insassen. Die Überlebenden, darunter auch Dr. Szende mit seiner Frau und Tochter, werden am 8. Mai 1945 von sowjetischen Truppen in Theresienstadt befreit.

Literatur:
Thomas Kubetzky: Fahrten ins Ungewisse – Räumungstransporte aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen im April 1945, in: Habbo Knoch u. Thomas Rahe (Hg.): Bergen-Belsen – Neue Forschungen, Göttingen 2014, S. 167 ff.