Kategorie-Archiv: 20. März 1945


Tod kurz vor der Befreiung


Foto von Irina Wolkowa. Das Aufnahmedatum ist nicht bekannt. (Stadtarchiv Hannover | Sammlung Zwangsarbeiter/Bilddateien/173244-833a/Wlasenko Bogdan (Ira Wolkowa)
Foto von Irina Wolkowa. Das Aufnahmedatum ist nicht bekannt. (Stadtarchiv Hannover | Sammlung Zwangsarbeiter/Bilddateien/173244-833a/Wlasenko Bogdan (Ira Wolkowa)

Ira (Irina) Wolkowa, geboren 1926 in Charkow (damals UdSSR), ist zur Zwangsarbeit nach Hannover verschleppt. Sie arbeitet bei der Post. Augenzeugen zufolge wird sie verhaftet, als sie Lebensmittel für ihre Cousine Nadja bei sich trägt. Die Gestapo beschuldigt sie des Diebstahls und weist sie in ihr Gefängnis auf dem Gelände der Israelitischen Gartenbauschule Ahlem ein. Irina Wolkowa gehört zu den mindestens 59 Häftlingen, die hier zwischen dem 2. März und dem 27. März 1945 erhängt werden. Dazu waren in das einstöckige Holzgebäude der ehemaligen „Laubhütte“ der Gartenbauschule Galgen eingebaut worden.
Ihre Cousine wird zur Abschreckung gezwungen, der Hinrichtung beizuwohnen. Sie ist am 6. April 1945 die einzige Frau unter den 154 Opfern einer Massenerschießung. Unter ihnen ist kein Deutscher.

Literatur:
Hans-Dieter Schmid (Hrsg.): Ahlem: Die Geschichte einer jüdischen Gartenbauschule, Bielefeld, 2008

Herbert Obenaus: „Sei stille, sonst kommst du nach Ahlem!“, Zur Funktion des Gestapostelle in der ehemaligen Israelitischen Gartenbauschule von Ahlem (1943 -1945), Hannover, 1988, Sonderabdruck aus „Hannoversche Geschichtsblätter“, Neue Folge Bd. 41 (1987)