Kategorie-Archiv: 24. April 1945


Luftangriff auf Wangerooge


Britischer Lancester-Bomber während der Bombardierung der Insel Wangerooge, 25. April 1945 (The National Archives Kew, AIR 14/3647)
Britischer Lancester-Bomber während der Bombardierung der Insel Wangerooge, 25. April 1945 (The National Archives Kew, AIR 14/3647)

Im Hauptquartier der kanadischen Truppen bei Meppen fällt am 24. April die Entscheidung, die „Festung“ Wangerooge zu bombardieren.

Am folgenden Tag starten in Südengland gegen 14:30 Uhr über 480 kanadische, britische und französische Bomber und legen die Insel in nur 15 Minuten weitgehend in Schutt und Asche. Insgesamt sterben durch den Großangriff fast 300 Personen: Soldaten, Insulaner und in großer Zahl auch ausländische Zwangsarbeiter, die unter anderem bei der Wehrmacht eingesetzt waren.

Auch unter den Alliierten befinden sich Opfer. So gerät einer der kanadischen Flieger in Luftnot und muß per Fallschirm auf der Insel landen. Er wird von vier deutschen Marineangehörigen aufgegriffen. Einer von ihnen hatte bei einem Luftangriff auf Hamburg seine gesamte Familie verloren. Vermutlich aus Rache erschießt er den Kanadier ohne lange zu zögern. Anschließend wird der Tote, den Kopf an einer Kette hängend, mit einem Pferd vom Tatort fortgeschleift und auf einer Wiese verscharrt. Sicherlich nicht ohne Absicht taucht in einer später angefertigten Gräberliste das Grab mit dem Vermerk auf: „1 Ausländer, erschossen (Plünderer).“

Literatur:
Hans-Jürgen Jürgens: Zeugnisse aus einer unheilvollen Zeit, 4. Aufl. Jever 1991