Kategorie-Archiv: 25. April 1945


Gründung des jüdischen Komitees in Bergen-Belsen


Zwei Seiten aus dem Notizheft von Rafael Olewski, auf denen er die Gründung des jüdischen Komitees in Bergen-Belsen am 25. April 1945 festhielt (Schenkung Familie Olewski, Yad Vashem Archive, Jerusalem)
Zwei Seiten aus dem Notizheft von Rafael Olewski, auf denen er die Gründung des jüdischen Komitees in Bergen-Belsen am 25. April 1945 festhielt (Schenkung Familie Olewski, Yad Vashem Archive, Jerusalem)

Am 25. April 1945 gründen befreite Häftlinge des Konzentrationslagers Bergen-Belsen ein jüdisches Komitee. Es setzt sich aus Personen zusammen, die Anfang April 1945 aus dem KZ Mittelbau-Dora und dessen Außenlagern in das sogenannte Kasernenlager kamen.

Zu den Gründungsmitgliedern gehört Rafael Olewski, der das Ereignis in einem kleinen Notizheft festhält. Der in jiddischer Sprache in hebräischer Schrift verfasste Eintrag listet die Namen aller Initiatoren auf. Unter ihnen befinden sich der spätere Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland Heinz Galinski, der spätere Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Celle Israel Mosche Olewski wie auch Josef Rosensaft, der schließlich den Vorsitz übernimmt.

Im Gegensatz zu den kurz nach der Befreiung gegründeten nationalen Lagerkomitees sind im jüdischen Komitee Juden verschiedener Nationalitäten vereint. Zu diesem Zeitpunkt ahnt noch niemand, welche zentrale Rolle dem Komitee und dem Monate später gegründeten Zentralkomitee der befreiten Juden in der britischen Zone im jahrelangen Kampf um die Auswanderung in andere Länder zukommen soll.

Der Autor Rafael Olewski (1914–1981) wuchs in einer jüdisch-orthodoxen Familie in Osięciny (Polen) auf. Ab Juni 1941 befand er sich in verschiedenen Lagern, u.a. in Auschwitz. Nach der Befreiung in Bergen-Belsen traf er seinen Bruder Israel Mosche wieder. Sie waren die einzigen Überlebenden ihrer Familie. Rafael Olewski, Mitbegründer der DP-Zeitung „Unzer Sztyme“, emigrierte im April 1949 nach Israel.

Literatur:
Rafael Olewski: Tor der Tränen. Jüdisches Leben im Schtetl Osięciny in Polen, Leiden unter NS-Terror und in Auschwitz, Überleben im KZ Bergen-Belsen, dort im DP-Camp und in Celle 1914–1981, hg. von Erhard Roy Wiehn, Konstanz 2014

Hagit Lavsky: New Beginnings: Holocaust Survivors in Bergen-Belsen and the British Zone in Germany, 1945–1950, Detroit 2002


Warten auf die Heimkehr


Die erste Zeichnung von Ferruccio Francesco Frisone in Freiheit, Fullen, 25. April 1945. (Giovanni R. Frisone)
Die erste Zeichnung von Ferruccio Francesco Frisone in Freiheit, Fullen, 25. April 1945. (Giovanni R. Frisone)

Mit der Befreiung beginnt für Viele das Warten auf die Rückkehr in die Heimat, so auch für den italienischen Militärinternierten Ferruccio Francesco Frisone.

Der Soldat war im September 1943 nach dem Kriegsaustritt Italiens im albanischen Tirana in deutsche Gefangenschaft geraten. Am 7. November wurden er und seine Kameraden auf eine unfreiwillige Reise geschickt. Über Belgrad und Wien ließ ihn die Wehrmacht in das im Emsland gelegene Zweiglager Versen des Stalag VI C Bathorn transportieren. Hier traf er am 12. Januar 1944 ein. Zwei Monate später erfolgte seine Verlegung in das nahe gelegene Zweiglager Fullen, das die Wehrmacht als „Lazarett“ nutzte.

Am 7. April 1945 erlebte Frisone seine Befreiung durch kanadische Truppen. Aber erst Ende August 1945 konnten er und mit ihm 800 seiner Landsleute das Lager verlassen und Richtung Heimat aufbrechen.

„Nun ist Fullen nur noch ein schlechter Traum“, schrieb er in sein Tagebuch, das er am 8. September 1943 in Albanien begonnen hatte und das am 27. August 1945 endet.

Literatur:
Giovanni R. Frisone / Deborah Smith Frisone: Von Albanien ins Stalag VI C,Zweiglager Versen und Fullen. Zeichnungen und Tagebuchaufzeichnungen des italienischen Militärinternierten Ferruccio Francesco Frisone 1943 – 1945, Papenburg 2009

Ferruccio Francesco Frisone: Binario Morte. Diario di un pittore internato a Semlin, Versen e Fullen, Torino 2015

Website:
Gedenkstätte Esterwegen >> www.gedenkstaette-esterwegen.de