Kategorie-Archiv: 4. April 1945


Massenexekutionen im Polizei-Ersatzgefängnis


Die Schauplätze der Massenexekutionen auf dem Hildesheimer Zentralfriedhof (Markus Roloff, Nur Plünderer mußten sterben?, S.203)
Die Schauplätze der Massenexekutionen auf dem Hildesheimer Zentralfriedhof (Markus Roloff, Nur Plünderer mußten sterben?, S.203)

Höhepunkt des Mordterrors in der Kriegsendphase in Hildesheim war die Erhängung der Gestapohäftlinge an einem provisorischen Galgen am Polizei-Ersatzgefängnis, der ehemaligen „Seuchenbaracke“ auf dem Gelände des Zentralfriedhofs. Sie war Teil einer reichsweiten Aktion der Gestapo, aber anders als in anderen Gestapostellen scheint es in Hildesheim keine Selektion gegeben zu haben, d.h. es wurden offenbar alle Häftlinge ermordet. Genaueres weiß man nur über die letzte Exekution von etwa 80 ausländischen Zwangsarbeitern, die erst während der Aktion eingeliefert und wegen Überfüllung des Polizei-Ersatzgefängnisses in der nahe gelegenen Leichenhalle des jüdischen Friedhofs untergebracht wurden.

Die genaue Zahl der Opfer der dreitägigen Massenhinrichtungen ist nicht mehr rekonstruierbar. In einem Massengrab auf dem Friedhof, in dem die Opfer dieser Aktion – aber auch die Erhängten vom Markplatz – verscharrt worden waren, hat man später 208 Leichen gefunden.

Literatur:
Markus Roloff: Nur Plünderer mußten sterben? Die Massenhinrichtungen der Hildesheimer Gestapo in der Endphase des Zweiten Weltkrieges. In: Hildesheimer Jahrbuch 69 (1997), S. 183-220

Hans-Dieter Schmid: Hildesheim in der Zeit des Nationalsozialismus. Hildesheim 2015 (im Erscheinen)


Das Ende des KZ-Außenkommandos Brunshausen: Ermordung von 40 Häftlingen und ein Todesmarsch


Die Dienstbaracke des KZ-Außenkommandos Brunshausen, die unter anderem die „Krankenstube“ und die Wäscherei beherbergte. Im Hintergrund Teile der Werksgebäude der Ernst Heinkel AG (Aufnahme von 1946, Museum der Stadt Bad Gandersheim / Katholische Pfarrgemeinde Bad Gandersheim)
Die Dienstbaracke des KZ-Außenkommandos Brunshausen, die unter anderem die „Krankenstube“ und die Wäscherei beherbergte. Im Hintergrund Teile der Werksgebäude der Ernst Heinkel AG (Aufnahme von 1946, Museum der Stadt Bad Gandersheim / Katholische Pfarrgemeinde Bad Gandersheim)

Gegen 5 Uhr morgens werden die über 500 Häftlinge des KZ-Außenkommandos Brunshausen (Kreis Gandersheim) geweckt. 40 besonders geschwächte Männer warten auf versprochene Omnibusse. Stattdessen werden sie in einen Wald geführt und einzeln erschossen. Mithäftlinge werfen die Leichen in eine zuvor ausgehobene Grube und streuen Kalk über sie.

Die übrigen Häftlinge werden von der SS auf einen „Todesmarsch“ getrieben, der über den Harz und Tschechien ins KZ Dachau führt und von der Mehrheit nicht überlebt wird.

Das KZ-Außenkommando Brunshausen wurde im Oktober 1944 für die Flugzeugfirma Heinkel eingerichtet. Bis zu 584 Männer aus 14 Nationen kamen in die eiskalte, verfallende und völlig überfüllte Klosterkirche. Sie mussten sich selbst ein Barackenlager auf dem Firmengelände bauen. Hunger, Kälte und Entkräftung bestimmten ihre Tage; mindestens 23 Häftlinge starben hier.

Für die in Brunshausen verübten Verbrechen wurde niemals jemand gerichtlich bestraft.

Literatur:
Robert Antelme: Die Gattung Mensch, Berlin 1949.

Paul Le Goupil / Gigi Texier / Pierre Texier: Bad Gandersheim. Autopsie eines Außenkommandos von Buchenwald, Bad Gandersheim 2005.

Website:
Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit Südniedersachsen 1939 – 1945 >> http://www.zwangsarbeit-in-niedersachsen.eu/de/virtuelle-ausstellung/kz-haeftlinge/brunshausen.html