Kategorie-Archiv: 5. April 1945


Die Auflösung des KZ Holzen


Camille Delétang. Zeichnung von Eugéne Labreux, 29. September 1944. (KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora)
Camille Delétang. Zeichnung von Eugéne Labreux, 29. September 1944. (KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora)

Das KZ-Außenlager „Hecht“ in Holzen (Kreis Holzminden) gehört zu einem Komplex zur Verlagerung von Rüstungsproduktion in Bergwerksstollen im Umfeld der Stadt Eschershausen. Seit August 1944 entstanden hier Lager für mehr als 5.000 KZ-Häftlinge, Strafgefangene und Zwangsarbeiter.

Am 31. März 1945 wurden 696 Häftlinge in Güterwagons verladen und in das KZ Buchenwald gebracht. Weitere ca. 350 Häftlingen gingen am 5. April 1945, unter ihnen der Franzose Camille Delétang, auf Transport über Salzgitter-Drütte in das KZ Bergen-Belsen. Am 8. April geriet der Transport in Celle in einen alliierten Luftangriff mit zahlreichen Toten. Delétang überlebte. Seine Zeichnungen aus dem KZ-Holzen wurden bei der Flucht vor den Bomben gestohlen.

Die Dokumente wurden nach dem Luftangriff in Celle gefunden und 2012 an die KZ Gedenkstätte Mittelbau-Dora übergeben.

Literatur:
Jens-Christian Wagner (Hg.), Wiederentdeckt. Zeugnisse aus dem KZ-Holzen, Göttingen 2013.

 Website:
www.dora.de


Ein Todesmarsch entlang des Ith


Der Niederländer Derk Heero Schortinghuis, Zuchthausgefangener in Hameln (Derk Heero Schortinghuis, Met de dood voor ogen, Bedum 2000)
Der Niederländer Derk Heero Schortinghuis, Zuchthausgefangener in Hameln (Derk Heero Schortinghuis, Met de dood voor ogen, Bedum 2000)

Am 5. April verlassen etwa 450 Mann, überwiegend Ausländer, das Zuchthaus Hameln. Ziel ist das ca. 40 Kilometer entfernte Zuchthausaußenlager Holzen.

Der Gefangene Derk Heero Schortinghuis erinnert sich:
„Vierhundert Knastbrüder mit ihren Decken als Cape über der Schulter: Vor uns liegt ein 40 km langer Marsch. Das Schuhwerk variiert von hölzernen Sandalen bis hin zu guten Lederschuhen.
In Hameln stehen alle Häuser leer. Die Stadt ist vor den anrückenden Amerikanern evakuiert worden. Zwei flüchtende Italiener werden hier von den Wachtmeistern erschossen.
Auf Nebenstraßen geht es durch zahlreiche Dörfer entlang des Ith südwärts nach Holzen. Ungefähr um zwölf setzt ein feiner Nieselregen ein. Unsere Füße werden zu bleiernen Lehmklumpen.
Wer die ausgezehrten, eiternden und verlausten Körper gesehen hat, hätte sich gewundert, dass man damit noch 15 Kilometer laufen kann. Und bei zwei dünnen Brotschnitten läuft schon ein gesunder Mensch nicht weit.
Die nicht mehr weiter können, nehmen die Kameraden so gut wie möglich zwischen sich. Ein Wachtmeister, der den Schluss der Kolonne bildet, sorgt dafür, dass es keine Nachzügler gibt. Mit Gewehrkolbenschlägen treibt er die Schwachen weiter und droht: Wer zurückbleibt, wird erschossen. Es liegen in der Tat Leichen entlang der Straße.“ (Auszug aus dem Zeitzeugenbericht von Derk Heero Schortinghuis)

Der Marsch ging bis in die Nacht hinein. Die Letzten erreichten Holzen erst am Morgen des 6. April. Zehn Tote sind nachgewiesen, darunter drei Niederländer. Wie viele Todesopfer der Marsch insgesamt erforderte, ist nicht geklärt.

Literatur:
Derk Heero Schortinghuis: „Met de dood vor ogen“ (Den Tod vor Augen), Bedum 2000

Weblinks:
>> www.euprojekt-zuchthaus-hameln.de
>> www.gelderblom-hameln.de/zuchthaus/zuchthaus.html

 


Ermordung des „Bibelforschers“ Bernhard Döllinger bei Bad Grund


Opfer des „Todesmarschs“ von Häftlingen des KZ-Außenkommandos Brunshausen: Zwischen Clausthal-Zellerfeld und Braunlage entdeckten amerikanische Soldaten im April 1945 die Leichen von zehn Häftlingen, größtenteils Italiener, die durch Kopfschüsse ermordet worden waren. (Foto: National Archives Washington)
Opfer des „Todesmarschs“ von Häftlingen des KZ-Außenkommandos Brunshausen: Zwischen Clausthal-Zellerfeld und Braunlage entdeckten amerikanische Soldaten im April 1945 die Leichen von zehn Häftlingen, größtenteils Italiener, die durch Kopfschüsse ermordet worden waren. (Foto: National Archives Washington)

Die erste Nacht des „Todesmarsches“ des KZ-Außenkommandos Brunshausen (Kreis Gandersheim) verbringen die meisten Häftlinge in einer Turnhalle im Westharzer Teufelstal. Am 5. April morgens muss einer von ihnen, nachdem er vor Hunger Hundekuchen gegessen hat, austreten. Er wird erschossen. Der Tote ist der als „Bibelforscher“ internierte Deutsche Bernhard Döllinger.

Bernhard Döllinger, 1890 in Wuppertal-Elberfeld geboren, wurde 1944 wegen seiner Ablehnung des Nationalsozialismus verhaftet und ins KZ gesperrt. Sein Widerstand gründete sich auf seine religiösen Überzeugungen als Zeuge Jehovas. Die Festigkeit im Glauben ermöglichte ihm, auch unter den Bedingungen schlimmsten Hungers und Ausbeutung eine ebenso großherzige wie standhafte Haltung an den Tag zu legen. Dies trug ihm die Hochachtung seiner Mithäftlinge in Brunshausen, größtenteils „Politische“, ein.

Im Verlauf des „Todesmarsches“, der im KZ Dachau endete, kamen viele weitere Häftlinge ums Leben.

Literatur:
Robert Antelme, Die Gattung Mensch, Berlin 1949.

Joachim Neander, Die Ermordung der „Bibelforscher“ auf dem Todesmarsch des KZ gandersheim, in: Südniedersachsen 1/1999, S. 7-19

Websites:
Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit. Südniedersachsen 1939-1945 >> http://www.zwangsarbeit-in-niedersachsen.eu/de/virtuelle-ausstellung/kz-haeftlinge/brunshausen.html

Radio Übrigens >> http://www.radio-uebrigens.de/?p=130

Gedenkbuch für die NS-Opfer aus Wuppertal >> http://www.gedenkbuch-wuppertal.de/de/person/d%C3%B6llinger