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The Last Day in Belsen!


„Der letzte Tag in Belsen!“ von Jakob Tannenbaum, Bleistift-Kohle-Zeichnung, Format 37 x 33 cm, ohne Datum Schenkung der Public Library in Calumet MI (USA) Stiftung niedersächsische Gedenkstätten/Gedenkstätte Bergen-Belsen
„Der letzte Tag in Belsen!“ von Jakob Tannenbaum, Bleistift-Kohle-Zeichnung, Format 37 x 33 cm, ohne Datum Schenkung der Public Library in Calumet MI (USA) Stiftung niedersächsische Gedenkstätten/Gedenkstätte Bergen-Belsen

Am Sonntagnachmittag des 15. April 1945 treffen britische Soldaten des 63 Anti-Tank Regiment in Bergen-Belsen ein, übernehmen das Konzentrationslager und setzen am Abend den Kommandanten Josef Kramer als Kriegsverbrecher fest. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich im Hauptlager etwa 38 000 Häftlinge und weitere 15 000 im erst wenige Tage zuvor eingerichteten Ausweichlager in der nahegelegenen Kaserne der Wehrmacht. Sie befinden sich durch Mangelernährung, Krankheiten und Misshandlungen in einem katastrophalen Zustand. Viele Überlebende sind dem Tode näher als dem Leben und nehmen das Eintreffen der britischen Soldaten kaum wahr. Etwa 14 000 Befreite sterben in den nächsten Wochen trotz massiver Anstrengungen der Briten und anderer Hilfskräfte. Die Toten werden in Massengräbern bestattet.

Diese Situation thematisiert die Zeichnung von Jakob Tannenbaum. Der Zeichner, geboren 1917 in Frankfurt/Main, wurde als Jude nach Auschwitz deportiert und kam nach seiner Befreiung in das Dispaced Persons Camp Bergen-Belsen, wo er im Sommer 1945 diese und weitere Zeichnungen anfertigte.


Pawel Diamant, gestorben am 7. April 1945


Todesbescheinigung von Pawel Diamant (Archiv Arbeitskreis Stadtgeschichte e.V., Bestand Friedhöfe/Quellen/Q7)
Todesbescheinigung von Pawel Diamant (Archiv Arbeitskreis Stadtgeschichte e.V., Bestand Friedhöfe/Quellen/Q7)

Pawel Diamant kam gemeinsam mit seinem Bruder David über das KZ Auschwitz in das KZ-Außenlager Vechelde. Im März 1945 verloren sich die Brüder aus den Augen. Pawel wurde in das KZ-Außenlager Watenstedt-Leinde transportiert. Dort stirbt er laut Todesbescheinigung an Lungentuberkulose. Als Sterbedatum ist der 7. April 1945, der Tag der Räumung des Außenlagers, angegeben worden.


Auflösung des KZ-Außenlagers „Dachs IV“ in Osterode-Petershütte


Baustelle an der Stollenanlage des Bauprojektes Dachs IV, 17. Dezember 1944. (KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora, Sammlung Jürgen Müller)
Baustelle an der Stollenanlage des Bauprojektes Dachs IV, 17. Dezember 1944. (KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora, Sammlung Jürgen Müller)

Mit dem Abtransport von 716 Häftlingen, darunter etwa zur Hälfte Juden, die erst wenige Wochen zuvor aus Auschwitz in den Harz verschleppt worden waren, räumt die SS am 21. März 1945 das zum KZ Mittelbau-Dora gehörende Außenlager „Dachs IV“ in Petershütte bei Osterode am Harz. Die Häftlinge werden in ein KZ-Außenlager in der Boelcke-Kaserne in Nordhausen gebracht. Dort hat die SS das zentrale Kranken- und Sterbelager des KZ Mittelbau eingerichtet. Nur wenige der aus Osterode in die Boelcke-Kaserne gebrachten Häftlinge erleben das Kriegsende.

In Petershütte sollte eine unterirdische Erdölraffinerie für die Rhenania-Ossag AG aus Hamburg entstehen. Für den Ausbau der Stollenanlagen zog die Organisation Todt neben zivilen ausländischen Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und sogenannten „Halbjuden und jüdisch Versippten“ auch bis zu 800 Häftlinge aus dem KZ Mittelbau-Dora heran, die ab November 1944 in einem Barackenlager in der Nähe der Baustelle untergebracht waren. Die Bauarbeiten wurden trotz des Abzugs der KZ-Häftlinge am 21. März 1945 noch bis Anfang April 1945 fortgeführt. Trotzdem wurde die Stollenanlage nicht fertig gestellt. Seit 2002 erinnert ein Gedenkstein vor den Ende der 1940er Jahre gesprengten Stolleneingängen an das Konzentrationslager.

Literatur:
Jürgen Müller: Dachs IV – der Bau des unterirdischen Hydrierwerkes Dachs IV bei Osterode im Harz zum Ende des zweiten Weltkrieges, Clausthal-Zellerfeld 2004.


Ein Ausweis für Christian Franz


„Pass für ehemalige KZ-Häftlinge“ für Christian Franz (Stiftung niedersächsische Gedenkstätten / Gedenkstätte Bergen-Belsen; Privatbesitz)
„Pass für ehemalige KZ-Häftlinge“ für Christian Franz (Stiftung niedersächsische Gedenkstätten / Gedenkstätte Bergen-Belsen; Privatbesitz)

Am 19. März 1945 erreicht ein Transport aus dem KZ Mauthausen das KZ Bergen-Belsen. In diesem Transport befinden sich viele Sinti und Roma, unter ihnen auch der fünfjährige Christian Franz und seine Mutter Luise.

Christian Franz wurde am 20. Februar 1939 in Lübeck geboren. Zusammen mit seiner Familie wurde er wegen der Zugehörigkeit zu den Sinti im März 1943 in Bremen verhaftet und nach Auschwitz deportiert. Gemeinsam mit seiner Mutter Luise Franz wurde er 1944 von dort nach Ravensbrück gebracht. Am 7. März 1945 wurden beide in das KZ Mauthausen verlegt. Am 17. März 1945 wurden sie erneut auf einen Transport geschickt. Am 19. März kommen sie schließlich im KZ Bergen-Belsen an. Dort werden sie am 15. April von der Britischen Armee befreit.

In dem wenige Wochen nach der Befreiung ausgestellten „Pass für ehemalige KZ-Häftlinge“ wird bescheinigt, dass der fünfjährige Christian Franz in den KZ Auschwitz und Ravensbrück war. Es fehlt die Angabe von zwei weiteren Konzentrationslagern, Mauthausen und Bergen-Belsen.
Als „Nationalität“ wird in den Pass „Ungarn“ eingetragen. Wie alle von den Nationalsozialisten als „Zigeuner“ klassifizierten Deutschen war auch Christian Franz seine ursprüngliche Staatsbürgerschaft entzogen worden.


Anne und Margot Frank sterben im KZ Bergen-Belsen im März 1945


Gedenkstein für Anne und Margot Frank auf dem Gelände der Gedenkstätte Bergen-Belsen
Gedenkstein für Anne und Margot Frank auf dem Gelände der Gedenkstätte Bergen-Belsen (Stiftung niedersächsische Gedenkstätten)

Anne Frank wird am 12. Juni 1929 als Kind jüdischer Eltern in Frankfurt am Main geboren.

Als 1933 in Deutschland die Verfolgung der Juden beginnt, zieht die Familie Frank nach Amsterdam.

Nach der Besetzung der Niederlande im Mai 1940 setzt auch dort die Judenverfolgung ein. Am 12. Juni 1942 beginnt Anne Frank ihr Tagebuch. Vom 6. Juli 1942 an versteckt sich die Familie im Hinterhaus der Prinsengracht 263. Nach der Verhaftung am 4. August 1944 wird die Familie in das Durchgangslager Westerbork gebracht und von dort am 3. September 1944 mit dem letzten Transport aus den Niederlanden in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Dort wird mehr als die Hälfte der Häftlinge sofort in den Gaskammern ermordet. Anne Frank wird zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Margot zur KZ-Zwangsarbeit selektiert. Ende Oktober 1944 werden die Geschwister mit mehr als Tausend anderen Frauen von Auschwitz nach Bergen-Belsen transportiert. Dort sterben beide im März 1945 an Typhus und Entkräftung. Die genauen Todesdaten sind unbekannt.

Aus Anlass des 70. Geburtstages von Anne Frank wird 1999 auf dem Gelände der Gedenkstätte Bergen-Belsen ein symbolischer Grabstein für sie und ihre Schwester Margot Frank aufgestellt. Viele Besucher legen hier persönliche Gegenstände nieder.