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Transport vom Harz in den Tod


KZ-Außenlager Boelcke-Kaserne (Nordhausen), 12. April 1945 (nach der Befreiung). Sterbende liegen zwischen Toten. (National Archives, Washington)
KZ-Außenlager Boelcke-Kaserne (Nordhausen), 12. April 1945 (nach der Befreiung). Sterbende liegen zwischen Toten. (National Archives, Washington)

Aus dem KZ-Außenlager Ellrich-Juliushütte im Südharz lässt die SS 1602 kranke und sterbende Häftlinge, die sie als arbeitsunfähig ausgesondert hat, in die Boelcke-Kaserne nach Nordhausen bringen. Als die Viehwaggons in der nur 15 km entfernten Stadt eintreffen, sind bereits 340 Häftlinge tot. Am Folgetag füllt die SS den Transport auf 2250 Häftlinge auf und lässt den Zug nach Bergen-Belsen fahren. Von dem Transport sind bislang keine Überlebenden bekannt.

Die Boelcke-Kaserne in Nordhausen diente als zentrales Siechen- und Sterbelager des KZ Mittelbau-Dora. Die SS überließ hier Häftlinge, die als arbeitsunfähig selektiert worden waren, sich selbst. Die meisten starben innerhalb weniger Tage an den Folgen von Hunger, Erschöpfung und Krankheiten. Mindestens 3000 Menschen überlebten das Lager nicht, das nur drei Monate existierte.

Literatur:
Jens-Christian Wagner, Ellrich 1944/45. Konzentrationslager und Zwangsarbeit in einer deutschen Kleinstadt, Göttingen 2009.
Ders.: Gesteuertes Sterben. Die Boelcke-Kaserne als zentrales Siechenlager des KZ Mittelbau, in: Dachauer Hefte 20 (2004), S. 127-138.

 Website:
www.dora.de


Massensterben im KZ-Außenlager Ellrich-Juliushütte


KZ-Außenlager Ellrich-Juliushütte. Blick von einem Unterkunftsblock auf das Krematorium, undatiert (vermutlich nach der Befreiung). (KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora)
KZ-Außenlager Ellrich-Juliushütte. Blick von einem Unterkunftsblock auf das Krematorium, undatiert (vermutlich nach der Befreiung). (KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora)

Letztmalig werden an diesem Tag Häftlingsleichen zur Einäscherung aus dem KZ-Außenlager Ellrich-Juliushütte in das Krematorium im Hauptlager Dora bei Nordhausen gebracht. Am Folgetag nimmt das eigene Krematorium in Ellrich-Juliushütte den Betrieb auf.

Laut „Veränderungsmeldung“ der SS werden am 1. März 28 Häftlingsleichen zur Einäscherung nach Dora überführt. Der jüngste Tote, der Pole Petro Schworuk, ist laut Liste 19 Jahre alt geworden, der älteste, der Franzose Henri Hemery, 55 Jahre. Beide waren als politische Gefangene ins KZ verschleppt worden.

In Ellrich-Juliushütte im Südharz herrschten im Frühjahr 1945 katastrophale Verhältnisse. Innerhalb von vier Wochen starben im März 1945 1000 von 6500 Lagerinsassen, also fast jeder sechste. Ihre Asche ließ die SS am Hang hinter dem Krematorium abkippen. 1964 sprengte der Bundesgrenzschutz das vor dem Grenzstreifen zur DDR liegende Krematorium und planierte das Gelände mit Bulldozern. Später wurde das Areal zum Naturschutzgebiet erklärt.

Literatur:
Jens-Christian Wagner, Ellrich 1944/45. Konzentrationslager und Zwangsarbeit in einer deutschen Kleinstadt, Göttingen 2009.

Link: www.dora.de