Schlagwort-Archiv: Hannover


Zwangsarbeiter in Hannover: Ein neuer Lagerausweis für Domenico Buccella


Lagerausweis von Domenico Buccella. Hannover, 13. März 1945 (Privatbesitz Domenico Buccella)
Lagerausweis von Domenico Buccella. Hannover, 13. März 1945 (Privatbesitz Domenico Buccella)

Im März 1945 ist der Krieg für Deutschland längst verloren. Obwohl die Fortführung der Kämpfe keinen Sinn mehr macht und nur noch Leid und Verwüstungen mit sich bringt, versucht die nationalsozialistische Führung alle noch vorhandenen Reserven für den Krieg zu mobilisieren und den Zerfall der inneren Ordnung zu verhindern.

Noch am 13. März 1945 erhält der ehemalige italienische Militärinternierte Domenico Buccella vom Stadtbauamt Hannover als Beleg über seinen Aufenthaltsort einen neuen Lagerausweis. Buccella arbeitet in der Wurstwarenfabrik Weishäupl, nur knapp 200 Meter von dem Lager V in der Hagenstraße in Hannover entfernt, in dem die italienischen Zwangsarbeiter untergebracht sind.

Im September 1944 waren nach einer Regelung des Oberkommandos der Wehrmacht alle Italienischen Militärinternierten (IMI), auch gegen ihren Willen, in den Zivilstatus versetzt worden. Für Domenico Buccella und alle anderen galten nun die für italienische Zivilarbeiter gültigen Bedingungen.


Ein Zeichner im KZ


Drei Häftlingsbaracken im Lager Stöcken (Musée de l’Ordre de la Libération, Paris | N° inventaire: N3279 | Mur Galerie Déportation)
Drei Häftlingsbaracken im Lager Stöcken (Musée de l’Ordre de la Libération, Paris | N° inventaire: N3279 | Mur Galerie Déportation)

Auf den 12. März 1945 datiert der französische Künstler und Kunstlehrer René Baumer eine Bleistiftzeichnung von drei Baracken des KZ Hannover-Stöcken.

René Baumer, geboren 1906 in La Mulatière, tritt im Frühjahr 1940 der Résistance bei. Anfang April 1944 wird er verhaftet und für sechs Wochen im Gestapo-Gefängnis Montluc in Lyon inhaftiert. Über das Durchgangslager Compiègne bei Paris kommt er Anfang Juni 1944 in das KZ Neuengamme. Einen Monat später wird er dem KZ Hannover-Stöcken zugeteilt, einem Außenlager von Neuengamme. Er musste in der Bleigießerei der Akkumulatorenfabrik arbeiten. Bei der Räumung des Lagers am 7. April 1945 wurde er zu Fuß in das KZ Bergen-Belsen verbracht und dort am 15. April 1945 befreit. Er kehrte im Mai 1945 nach Frankreich zurück und starb 1982 in Lyon.

Überliefert sind 58 zeitgenössische und später angefertigte Zeichnungen mit Porträts von Mithäftlingen und Szenen aus den Lagern Stöcken und Bergen-Belsen, die im Musée de l’Ordre de la Libération in Paris aufbewahrt werden. Für Baumer war das Zeichnen ein Weg, die schockierenden Erfahrungen seiner KZ-Haft zu verarbeiten.

Literatur:
Rainer Fröbe: Exkurs: René Baumer – Ein Zeichner im KZ. Kunst, Widerstand und Identität im Konzentrationslager, in: ders. u.a., Konzentrationslager in Hannover. KZ-Arbeit und Rüstungsindustrie in der Spätphase des Zweiten Weltkriegs. Zwei Bände. Hildesheim 1985, Band 1, S. 109-130

Maike Bruhns: „Die Zeichnung überlebt…“ Bildzeugnisse von Häftlingen des KZ Neuengamme, Bremen 2007

Websites:
Offizielle Homepage von René Baumer >> http://www.renebaumer.free.fr
Musée de l’Ordre de la Libération >> http://www.ordredelaliberation.fr/fr_doc/3_2_3_deportation.php


Die Hinrichtung von Franz Zdyn im Strafgefängnis Wolfenbüttel


Die Guillotine im Hinrichtungsraum des Strafgefängnisses Wolfenbüttel, mit der die 17 Verurteilten am 9. März 1945 hingerichtet wurden, Mai 1945 (Privatbesitz Howard Goodkind)

Im Strafgefängnis Wolfenbüttel wird der 49-jährige Franz Zdyn wegen Verbrechen gegen die Kriegssonderstrafrechts-Verordnung hingerichtet. Als Zeuge Jehovas verweigerte er unter Berufung auf das fünfte Gebot „Du sollst nicht töten“ aus religiöser Überzeugung den Dienst in der Wehrmacht. Das Sondergericht Hannover verurteilte ihn daraufhin am 13. Februar 1945 zum Tode. Zwei Tage später überstellte die Justiz ihn in das Strafgefängnis Wolfenbüttel, wo am 9. März 1945, um 13:40 Uhr, das Todesurteil vollstreckt wurde. Seine Leiche wurde an die Stadtpolizeibehörde in Wolfenbüttel zur Bestattung auf dem Hauptfriedhof übergeben.

Zusammen mit Franz Zdyn wurden an diesem Tag 16 weitere Personen hingerichtet. Die Todesurteile wurden innerhalb weniger Minuten vollstreckt. Dies war die letzte Massenhinrichtung im Strafgefängnis Wolfenbüttel vor der Befreiung durch amerikanische Truppen am 11. April 1945.

Link: wolfenbuettel.stiftung-ng.de


Transport kranker Frauen aus dem KZ-Außenlager Leipzig in das KZ Bergen-Belsen


Liste des Transportes aus dem Außenlager Leipzig des KZ Buchenwald in das KZ Bergen-Belsen
Liste des Transportes aus dem Außenlager Leipzig des KZ Buchenwald in das KZ Bergen-Belsen, Dokumente 3393473 u. 3393474 (1.1.3.1/0002/0062 u. 0064), ITS Digitales Archiv

Am 28.Februar 1945 trifft ein Transport mit 71 kranken Frauen aus dem Arbeitskommando der Firma Hugo Schneider AG („Hasag“) im Frauenlager des KZ Bergen-Belsen ein. Die „Hasag“ war der größte Leipziger Rüstungskonzern mit mehreren Fabriken in Deutschland und im besetzten Polen. Weibliche Häftlinge, die aufgrund von Verletzungen, Erkrankungen oder Schwäche nicht mehr arbeiten konnten, wurden ausgesondert. Der Kommandant des Außenlagers, Wolfgang Plaul, meldet dem KZ Buchenwald die Überstellung der „arbeitsunfähigen“ Häftlinge am 27. Februar. Bei den Nummern in der zweiten Spalte handelt es sich um die Haftnummern des KZ Buchenwald. Die älteste Frau ist 1886, die jüngsten sind 1928 geboren. Unter den Frauen befindet sich auch ein Kind. Das Schicksal der meisten Frauen dieser Gruppe ist nicht bekannt, neun werden in Bergen-Belsen befreit, von denen eine Frau im Mai 1945 an den Folgen der Haft stirbt.

Mehr als zwei Dutzend Transporte mit nicht arbeitsfähigen Frauen trafen 1945 aus den Außenlagern des KZ Buchenwald in Bergen-Belsen ein. Man muss davon ausgehen, dass viele der ohnehin geschwächten Menschen an diesem Ort starben.