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Eine Geburt im KZ Bergen-Belsen am Tag vor der Befreiung


Identity Card for ex prisoner of concentration camps Alicja Gozdzikowska (Stiftung niedersächsische Gedenkstätten / Gedenkstätte Bergen-Belsen, Privatbesitz)
Identity Card for ex prisoner of concentration camps Alicja Gozdzikowska (Stiftung niedersächsische Gedenkstätten / Gedenkstätte Bergen-Belsen, Privatbesitz)

Am 14 April 1945 bringt Jadwiga Gozdzikowska ihre Tochter Alicija im Konzentrationslager Bergen-Belsen zur Welt. Inmitten des Massensterbens gelingt es Mutter und Kind dank der Solidarität ihrer Mithäftlinge zu überleben.

Nach ihrer Verhaftung am 26. August 1944 im Zusammenhang mit dem Warschauer Aufstand wurde Jadwiga Gozdzikowska zunächst in das Konzentrationslager Ravensbrück und am 28. März 1945 hochschwanger nach Bergen-Belsen transportiert.
Nach ihrer Befreiung leben Mutter und Tochter für ein Jahr im polnischen DP Camp Bergen-Belsen. Schließlich kehren sie im Mai 1946 nach Polen zurück. Der Vater Stefan Gozdzikowski war bereits im Oktober 1945 an den Folgen der Haft im KZ Mauthausen gestorben.

Die vorliegenden Ausweise für Jadwiga und Alicia Gozdzikowska wurden im Oktober 1945 bzw. im Februar 1946 vom Polnischen Komitee der ehemaligen KZ-Häftlinge im DP Camp Bergen-Belsen ausgestellt. Als amtliche Dokumente geben sie neben biografischen Angaben auch Auskunft über die Haft im Konzentrationslager.


Ein Ausweis für Christian Franz


„Pass für ehemalige KZ-Häftlinge“ für Christian Franz (Stiftung niedersächsische Gedenkstätten / Gedenkstätte Bergen-Belsen; Privatbesitz)
„Pass für ehemalige KZ-Häftlinge“ für Christian Franz (Stiftung niedersächsische Gedenkstätten / Gedenkstätte Bergen-Belsen; Privatbesitz)

Am 19. März 1945 erreicht ein Transport aus dem KZ Mauthausen das KZ Bergen-Belsen. In diesem Transport befinden sich viele Sinti und Roma, unter ihnen auch der fünfjährige Christian Franz und seine Mutter Luise.

Christian Franz wurde am 20. Februar 1939 in Lübeck geboren. Zusammen mit seiner Familie wurde er wegen der Zugehörigkeit zu den Sinti im März 1943 in Bremen verhaftet und nach Auschwitz deportiert. Gemeinsam mit seiner Mutter Luise Franz wurde er 1944 von dort nach Ravensbrück gebracht. Am 7. März 1945 wurden beide in das KZ Mauthausen verlegt. Am 17. März 1945 wurden sie erneut auf einen Transport geschickt. Am 19. März kommen sie schließlich im KZ Bergen-Belsen an. Dort werden sie am 15. April von der Britischen Armee befreit.

In dem wenige Wochen nach der Befreiung ausgestellten „Pass für ehemalige KZ-Häftlinge“ wird bescheinigt, dass der fünfjährige Christian Franz in den KZ Auschwitz und Ravensbrück war. Es fehlt die Angabe von zwei weiteren Konzentrationslagern, Mauthausen und Bergen-Belsen.
Als „Nationalität“ wird in den Pass „Ungarn“ eingetragen. Wie alle von den Nationalsozialisten als „Zigeuner“ klassifizierten Deutschen war auch Christian Franz seine ursprüngliche Staatsbürgerschaft entzogen worden.