Befreiung von Häftlingen aus dem KZ Bergen-Belsen bei Farsleben


Zug mit befreiten jüdischen Häftlingen aus dem KZ Bergen-Belsen fotografiert von George C. Gross, 13. April 1945 (United States Holocaust Memorial Museum, Washington, Sammlung George C. Gross)
Zug mit befreiten jüdischen Häftlingen aus dem KZ Bergen-Belsen fotografiert von George C. Gross, 13. April 1945 (United States Holocaust Memorial Museum, Washington, Sammlung George C. Gross)

Am 13. April 1945 erreichen die amerikanischen Offiziere Clarence L. Benjamin und George C. Gross vom 743. Panzerbataillon der US-Armee einen Zug mit etwa 2 500 jüdischen Häftlingen aus dem KZ Bergen-Belsen. Er war am Abend zuvor in der Nähe des Dorfes Farsleben zum Stehen gekommen. Die deutschen Bewacher des Zuges waren geflohen.

Wenige Tage zuvor räumte die SS das Austauschlager des KZ Bergen-Belsen. Etwa 6 700 jüdische Geiselhäftlinge sollten mit drei Bahntransporten in das Ghetto Theresienstadt verlegt werden. Nur einer der Züge erreichte jedoch den Zielort. Ein weiterer wurde am 23. April bei Tröbitz von sowjetischen Truppen befreit.

Für die Häftlinge bedeuteten diese Transporte weitere Strapazen. In überfüllten Waggons ohne medizinische Versorgung und ohne ausreichende Verpflegung erkrankten die meisten Häftlinge, viele starben. Die Toten wurden bei den häufigen Halten auf freier Strecke neben den Gleisen verscharrt. Auf dem Gemeindefriedhof in Farsleben erinnern ein Gedenkstein und eine Gedenktafel an die 32 dort begrabenen Opfer des Transports. Die US-Armee evakuierte die Überlebenden in eine Kaserne bei Hillersleben, um sie zu versorgen. Dennoch starben noch 143 Menschen, die auf einem eigens angelegten Friedhof auf dem Kasernengelände bestattet wurden.

Literatur:
Matthew A Rozell: A train near Magdeburg: a teacher’s journey into the Holocaust, Hartford, New York, Woodchuck Hollow Press, 2016
Thomas Kubetzky: Fahrten ins Ungewisse – Räumungstransporte aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen im April 1945, in: Habbo Knoch u. Thomas Rahe (Hg.): Bergen-Belsen – Neue Forschungen, Göttingen 2014, S. 150 ff.

Weblinks:
Teaching history matters >>  http://teachinghistorymatters.com/about

3 Gedanken zu „Befreiung von Häftlingen aus dem KZ Bergen-Belsen bei Farsleben

  1. Sebastian Gallinat

    Sehr geehrte Damen und Herren.

    es gibt inzwischen eine umfangreiche Darstellung von Aussagen der Zeitzeugen durch Matthew Rozell, dessen Website Sie verlinkt haben, in seinem Buch „A Train near Magdeburg“. Mehrere Aussagen legen die Vermutung nahe (so meine Einschätzung), dass das Eintreffen der US-Amerikaner ein weiteres Endphaseverbrechen verhindert hat. Ein Teil der SS-Leute ist danach am Morgen des 13.04. wiedergekehrt und ergriff beim Anblick der Amerikaner die Flucht.
    Hier das Buch bei Amazon: https://www.amazon.de/Magdeburg_The-Holocaust-survivors-American-soldiers-ebook/dp/B01LVXDO72/ref=sr_1_2?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&dchild=1&keywords=train+rozell&qid=1587320241&sr=8-2

    Ich würde mich freuen, wenn Sie es hier unter Literatur angeben könnten.

    Mit freundlichen Grüßen
    Sebastian Gallinat

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  2. Matthew Rozell

    Thank you for the link and mention of my book. In July 2001 I interviewed [former] tank commander Carrol Walsh, of the 743rd Tank Battalion, 30th Infantry Division, US Ninth Army, who told me this story. He directed me to George Gross, the other tank commander present. Together with Frank Towers and others we have found 275 survivors of Bergen Belsen; we are currently working on a film as well.
    Matthew Rozell
    https://teachinghistorymatters.com/the-film/

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