Kategorie-Archiv: 23. Februar 1945


Verlegung niederländischer Gestapo-Häftlinge vom „Ausländerlager“ Sande-Neufeld in das Lager Schwarzer Weg in Wilhelmshaven


Straße
Das Lager Sande-Neufeld kurz nach Ende des Krieges 1945 | WZ-Bilddienst Wilhelmshaven

Im Februar 1945 kam es zu einer zeitweisen Unterbringung niederländischer Gestapo-Häftlinge im Zwangsarbeiterlager Sande-Neufeld (Landkreis Friesland). Diese Häftlinge wurden anschließend wie etwa 800 weitere Leidensgenossen in das Lager „Schwarzer Weg“ in Wilhelmshaven gebracht.

Mitte Februar 1945 berichtete die Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven an die zuständige Staatspolizei-Außenstelle Wilhelmshaven:
Da bisher insgesamt 12 Fluchtfälle vorgekommen sind, […], wurde, wie auch mit dem Leiter der dortigen Dienststelle [Lager Schwarzer Weg] besprochen, nunmehr die Kennzeichen [sic! Kennzeichnung] der Häftlinge durch Aufpinseln eines ‚H‘ (Häftling) und zwar in gelber Ölfarbe auf die in Ermangelung von Häftlingskleidung zu tragende Zivilkleidung, angeordnet und bereits zum Teil durchgeführt. Aus hygienischen Gründen wurde ferner kurzer Haarschnitt angeordnet. Von den 12 geflüchteten Häftlingen wurden inzwischen durch hiesige ausländische Gewährsmänner im Ausländerlager Sande, wo sie sehr wahrscheinlich Unterstützung bei freien holländischen Arbeitern gefunden hatten, ermittelt und von der Lagerführung [in Sande-Neudeich] der Gendarmerie-Station Sande übergeben. Diese Flüchtlinge sind, nachdem sie für kurze Zeit im dortigen Polizeigefängnis eingesessen haben, nunmehr dem Lager Schwarzer Weg überstellt worden.“

Am 23. Februar 1945 berichtete die Gestapo-Außenstelle Wilhelmshaven abschließend an die Staatspolizeistelle Bremen:
„Die Unterbringung dieser Häftlinge, wie auch die Einkleidung stieß auf größere Schwierigkeiten, da die OT. [Organisation Todt], der die Häftlinge unterstellt sind, weder Lager noch Kleidung besaß. Der erste Transport [Stärke etwa 200 Mann] wurde zunächst vorübergehend im Ausländerlager Sande untergebracht. Da das Lager aber für Pol. Häftlinge zu klein und nicht geeignet war, wurde eine Umlegung vorgenommen, und zwar in das ehemalige Kriegsgefangenenlager Schwarzer Weg, Verlängerung des Mühlenweges.“

Nach der Besetzung Wilhelmshavens durch die 1. Polnische Panzerdivision am 6. Mai 1945 wurden die niederländischen Häftlinge befreit.

Quelle: Staatsarchiv Bremen, Bestand 5,4 Nr. 1974/11/19.

Literatur:
Holger Frerichs: Sande: Das Zwangsarbeiter- und DP-Lager im Ortsteil Neufeld (1940-1948)


Ankunft von 124 Gefangenen im Strafgefängnis Wolfenbüttel


Haus
Strafgefängnis Wolfenbüttel, ca. 1941 | Niedersächsisches Landesarchiv Wolfenbüttel, 50 Slg 234 Nr. 36

In den letzten Wochen vor der Befreiung verschlechterten sich die Haftbedingungen im Strafgefängnis Wolfenbüttel dramatisch. Die Auflösung von Außenkommandos und die Verlegung von Inhaftierten aus frontnahen Haftstätten nach Wolfenbüttel führten zu einer starken Überbelegung. Das Gefängnis hatte eine Belegungsfähigkeit von bis zu 940 Personen. Anfang 1945 stieg die Zahl der Gefangenen jedoch auf über 1500 Personen. Es fehlte an Lebensmitteln, Kleidung, Decken und medizinischer Versorgung.

Allein am 23. Februar 1945 wurde die Ankunft von insgesamt 124 Personen unterschiedlicher Nationalität im Strafgefängnis Wolfenbüttel registriert. Viele von ihnen wurden von den Staatsanwaltschaften in Stettin, Stargard und Prag eingewiesen. Es ist anzunehmen, dass die Gefangenen aufgrund der nahenden alliierten Truppen nach Wolfenbüttel überstellt wurden.