Der Werksausweis des Dolmetschers und Vertrauensmannes der Italiener auf der Baustelle Rhumspringe, Giuseppe Chiampo, der ihm den Zutritt zum Werksgelände ermöglichte. Am 11. April 1945 kontrollierte niemand mehr das Dokument… (Nachlass Giuseppe Chiampo, Padova)

Zerstörung der Schickert-Werke Rhumspringe durch Zwangsarbeiter

Nach dem Durchmarsch alliierter Truppen am Vortag bleiben Wachen, Vorarbeiter und Werksleiter der Baustelle der Schickertwerke Rhumspringe fern. Jetzt rächen sich viele der über 1.700 Zwangsarbeitenden, die hier seit dem Oktober 1942 wie Sklaven schuften mussten, um ein Werk zur Produktion von Treibstoff für Düsen- und Raketenflugzeuge und V1- und V2-Raketen zu bauen.

Ihre Befreiung vom grausamen Regime auf der Baustelle feiern sie, indem sie die selbst erbaute, fast fertiggestellte Fabrik nun wie im Rausch demolieren. Mit Eisenstangen und Spitzhacken zerstören sie fast die gesamte Einrichtung – und verhindern so auch, dass hier für den noch nicht beendeten Krieg produziert werden kann. Giuseppe Chiampo sieht den Generaldirektor der Fabrik unbeachtet und wie versteinert das entfesselte Treiben der Ausländer beobachten.

In Rhumspringe hatten furchtbare Bedingungen mit scharfer Antreiberei, Hunger, Kälte, vielen Unfällen, Todesfällen und Hinrichtungen wegen angeblicher Sabotage geherrscht.


Literatur:

Hans-Heinrich Hillegeist: Die Schickert-Werke in Bad Lauterberg und Rhumspringe. Eines der bestgehüteten Geheimnisse des 2. Weltkrieges, in: Rüstungsindustrie in Südniedersachsen während der NS-Zeit. Hg. v. Arbeitsgemeinschaft Südniedersächsischer Heimatfreunde e.V., Mannheim 1993, S. 119-141.

Giuseppe Chiampo: Überleben mit Stift und Papier. Aus dem Tagebuch eines Italienischen Militärinternierten im Zweiten Weltkrieg, in: Hilkerode/Eichsfeld. Hg. v. Günther Siedbürger für die Geschichtswerkstatt Duderstadt, Göttingen 2004.

Günther Siedbürger: Zwangsarbeit im Landkreis Göttingen 1939-1945. Hg. v. Landkreis Göttingen, Duderstadt 2005, S. 279-301.

Website:
http://www.zwangsarbeit-in-niedersachsen.eu/de/virtuelle-ausstellung/industrie/schickert-werke-rhumspringe.html

2 Gedanken zu „Zerstörung der Schickert-Werke Rhumspringe durch Zwangsarbeiter

    1. Günther Siedbürger

      Guten Tag, die früheren Produktionsgebäude der Schickertwerke in Rhumspringe zwischen Industriestraße und Duderstädter Straße sind noch sehr gut zu sehen. Sie fallen sofort ins Auge. Heute ist dort ein Bootsverkauf zu finden, dessen Inhaberin das gesamte Grundstück gehört; ein Teil ist als Lagerraum an andere Betriebe vermietet. Im Bereich hinter den erhaltenen Gebäuden standen früher Baracken eines Zwangsarbeitsgeländes, von denen noch Fundamente existieren. Allerdings ist das Gelände wie gesagt in Privatbesitz und somit nicht ohne Weiteres zugänglich. Die Gebäude sind aber auch von außerhalb sehr gut erkennbar. – Günther Siedbürger

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